Weltfrauentag Rosemarie Heilig

Pauschalisierung bringt uns nicht weiter

 

Frauen, die sogenannte Männerjobs haben, sind immer noch mit ungläubigen Reaktionen konfrontiert, solche Jobs werden ihnen immer noch nicht zugetraut.

 

Als ich die technische Geschäftsführung zur Sanierung einer Abfallverbrennungsanlage übernommen habe und morgens um sieben zur erstem Baubesprechung kam, hatte ich zum Einstand Brötchen dabei. Man war sich sicher, das kann nur die Vorhut sein. Als klar war, dass dem nicht so ist, stand einer der Herren auf und sagte: „Das kriege mer scho hin.“ Warum ist das eigentlich noch so? Frauen studieren das gleiche, sind technisch versiert und ihre Kompetenz hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

 

Nachdem die Sanierung seinerzeit sehr erfolgreich geklappt hat, im Zeitplan lag und auch noch günstiger als geplant war, wurde das natürlich gebührend mit allen gefeiert. Ich bekam einen Klapps auf die Schulter, wie es so gemacht wird unter Männern…

 

Junge Frauen müssen mutig sein, sollten sich alles trauen und denken: „Ich kann das“. Da können sie durchaus von den Männern lernen, die mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein in Bewerbungsgespräche kommen.

 

In Spitzenjobs braucht es gesunden Menschenverstand, Respekt vor anderen und dem Gegenüber. Es passieren im Job so viele menschliche Dinge, bei Corona zum Beispiel reagierte jede und jeder anders, da braucht es Regeln und Kontrolle, da geht es auch viel darum, wie man kommuniziert – das machen Frauen anders, sie sind einfühlsamer und hören mehr zu. Und mit Kommunikation kann man so viel erreichen. Zum Beispiel auch, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen.

 

Die Pandemie hat gezeigt, dass die tradierten Rollen weiterhin gelebt werden, politisch rechte Männer sehen uns ungern in Führungspositionen, und durch die aktuellen Entwicklungen haben viele Menschen Angst und andere Sorgen. Mein Wunsch für die Zukunft ist daher, dass Frauen ihr Potenzial nutzen, sich solidarisch unterhaken und Frauen in anderen Ländern unterstützen: für Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung, auch, um dem Rechtsruck in Europa etwas entgegenzusetzen.