Monika Wendt

Was sagt denn Ihr Mann dazu?

 

In meiner derzeitigen Position erlebe ich keine geschlechterspezifische Voreingenommenheit. Nun ist der öffentliche Dienst da sicher weiterentwickelt als manch andere Sparte. Ich habe aufgrund meiner langen Berufserfahrung und vielfältiger Kenntnisse ein gutes Standing, sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Eine Erfahrung, die mich sehr irritierte: Als ich zu meiner derzeitigen Position wechselte, wurde ich tatsächlich von weiblichen Kolleginnen gefragt, was denn mein Mann dazu sagen würde und ob er damit einverstanden sei!

 

Als schwangere Mutter eines zweijährigen Kindes habe ich mich auf eine gehobene Führungsposition beworben. Ich habe mehrere Hürden genommen, nach dem Assessment Center wurde mir mitgeteilt, wenn Olympia wäre, würde ich die Goldmedaille erhalten. Die Herren(!) waren des Lobes über meine gezeigten Leistungen voll. Allerdings könne man mir den Job nicht geben, da 200 Prozent Einsatz gefordert würden – was sie mir als schwangerer Mutter nicht zutrauten. Ich habe darüber nachgedacht, rechtlich dagegen vorzugehen, dann aber entschieden, dass ich dort gar nicht arbeiten möchte. Dies war vor 23 Jahren.

 

Ich hatte dann mehrere Jahre Führungserfahrung in geteilter Leitung, sprich: Eine Kollegin und ich haben uns eine Teamleitungsstelle geteilt – sehr erfolgreich. Wir haben uns dann gemeinsam auf eine anspruchsvollere Führungsposition im gleichen Haus beworben und konnten gegen alle ausschließlich männlichen Mitbewerber punkten. Die Entscheider*innen im Auswahlverfahren zeigten sich dennoch skeptisch, ob diese verantwortungsvolle Position in „geteilter Führung“ umsetzbar sei – obwohl wir dies seit rund vier Jahren unter Beweis gestellt hatten. Wir mussten Konzepte nachreichen, wie wir uns die Aufteilung, die Verantwortlichkeiten etc. pp. vorstellen. Mussten uns erneut dem Gremium stellen. Die Stelle haben wir dann erhalten und uns sehr gut bewährt.

 

Frauen, die auf Vorurteile stoßen, rate ich, beharrlich zu sein und sich nicht von ersten negativen Erfahrungen entmutigen zu lassen, wenn sie sich ihres Könnens sicher sind. Hier liegt meiner Erfahrung nach das größte weibliche Problem: Wir hinterfragen uns viel mehr als Männer, zweifeln, ob wir der Sache gewachsen sind – während männliche Kollegen oft mit selbstbewusstem Auftreten punkten, aber bei Weitem nicht so gut sind. Ich habe viele Auswahlverfahren durchgeführt, bin Mentorin für junge Führungskräfte – die Skeptischen sind überwiegend die Frauen.

 

1965 geboren, ist Gleichberechtigung für mich seit dem jugendlichen Alter ein Thema. Es fing in der Familie an, mein jüngerer Bruder bekam von unseren Eltern mehr Freiheiten eingeräumt als ich. Nach Ende der Ausbildung wurden die männlichen Kollegen sofort in eine Gehaltsstufe höher eingruppiert als wir weiblichen Kolleginnen, mit dem Argument: Männer müssen ja mal Familien finanzieren. Ich kenne noch die Anrede „Fräulein“ im Geschäftsleben – grauenvoll, und wie schwierig, sich dagegen zu wehren. Ich bin immer für Gleichberechtigung eingetreten, sowohl beruflich als auch privat.

 

Ich erkenne, dass es sich für Frauen grundsätzlich ein bisschen verbessert hat, sehe jedoch auch immer wieder „aufflammende“ alte Strukturen. Das Thema wird mich immer begleiten.