Weltfrauentag Marion Schmitz-Stadtfeldt

Ein starker und kluger Mann hat noch nie einer Frau geschadet

 

Zuerst einmal bin ich keine Freundin von leichtfertigen, einseitigen Schuldzuweisungen. Die Voreingenommenheit der Frauen den Frauen gegenüber ist kaum kleiner als die Voreingenommenheit der Männer den Frauen gegenüber.

Dass Männer ihre gefestigten hierarchischen Positionen ungern freiwillig aufgeben, ist für mich logisch, da geht es am Ende des Tages um Macht und die ist für manch‘ einen elektrisierender als wirtschaftliche Interessen, die natürlich den Männern auch sehr wichtig sind. Natürlich ist Macht sexy und Macht macht sexy, aber wir alle wissen auch um ihre Gefahr.

In meinen Gehaltsverhandlungen als Führungskraft mit zukünftigen Mitarbeiter*innen habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Absolventinnen weniger Honorar fordern als ihre männlichen Kollegen.

 

Von einem befreundeten Frisörmeister habe ich einmal gehört, dass sich noch niemals eine Kundin über seine jährliche Preiserhöhung verwundert gezeigt habe, sich die Männer hingegen regelmäßig darüber beschweren. Daraus möchte ich keine Statistik machen, aber bei meiner eigenen Frisörin, um bei diesem Alltagssujet zu bleiben, war ich einmal sehr erstaunt, dass mein Nachbar, der vor mir frisiert wurde, für seinen kaum weniger komplexen Haarschnitt genau 20 Euro weniger bezahlen musste. Darauf war sie noch nie von einer Frau hingewiesen worden, und wir haben uns dann zu meinen Gunsten geeinigt, die Frisur sitzt. In diesen Alltäglichkeiten spielt doch schon die Musik.

 

Vermutlich sind Frauen zu lange und zu duldend um die Erfolge ihrer Leistung gebracht worden. Das mit Schläue und leider oft auch Perfidität von Seiten der Männer, deshalb haben sie das Selbstbewusstsein und den Mut verloren, um für ihr Recht auf alles, was Männer für ihre Leistung erhalten, entsprechend entschlossen einzutreten. Ich möchte den Frauen dafür keine Schuld zuweisen, das wäre absurd, aber wir müssen raus aus dieser Ecke, und das gemeinsam. Bereits die Frisörin mit Preisen zu konfrontieren ist nicht unbedingt bequem, auch wenn es eine Lappalie ist.

 

Wenn man sich die EXPO und ihr Publikum um die Jahrtausendwende anschaute, oder auch die Geschlechtermischung in wichtigen Gremien in der Immobilienwirtschaft, konnte man, was das Repräsentativsein angeht, von den Frauen als „Randgruppe“ sprechen. Die Leistung, die man nicht zeigt, ist oft in der öffentlichen Wahrnehmung nicht da. Deshalb ist Repräsentation durch Frauen immens wichtig. Männer schmücken sich immer schon mit den Federn der Frauen, vielleicht kommt daher dieses berühmte Sprichwort. In der Natur war es immer so, dass sich die Erpel mit den eigenen Federn geschmückt haben.

 

Ich selbst habe kaum Förderung oder Mentoring erfahren. Die unterschiedlichen Randgruppen, zu denen ich mich zähle – Randgruppen waren übrigens immer schon eine ausgezeichnete Gesellschaft, wie die kongeniale Silvia Bovenschen einmal galant und klug konstatierte – haben mir auch nicht immer genutzt, um das einmal harmlos zu formulieren. Sie haben aber immer meinen Arbeitgebern genutzt, denn ich habe aus meiner eigenen Diversität und Weltoffenheit immer sehr viele Visionen geschöpft. Gott sei Dank ist Diversity auch in den deutschen Amtsstuben angekommen.

 

Frauen, die auf Vorurteile stoßen, rate ich, tapfer zu sein, Spielregeln zu akzeptieren und sie gleichzeitig in Frage stellen. Meistens akzeptieren Frauen die Spielregeln so lange, bis sie es beruflich geschafft haben, und wenn sie dann oben auf der Karriereleiter angekommen sind, haben sie keine Kraft oder Lust mehr, die Spielregeln zu ändern, obwohl sie die Macht dazu hätten.

 

Die Spielregeln, die gelten, sind nicht immer gerecht, insofern geht es oft nicht um Feminismus, sondern um Gerechtigkeit. Für Gerechtigkeit zu kämpfen oder sich für sie einzusetzen ist die moralische Pflicht eines jeden Menschen, ob Frau oder Mann, egal aus welcher Ethnie oder Religionsgemeinschaft. In der Regel kommen nach wie vor die Stromlinienförmigen weiter, ich sehe es noch nicht, dass in der Szene, in der wir uns bewegen, die Kultur von Kritik und Dialektik unbedingt gefördert wird, denn dann fände man auch mehr Typen in den Managements, die einmal etwas Neues rocken, ob Männer oder Frauen, egal. Wo stehen wir mit unseren gesellschaftlichen Zukunftsthemen und wie lange haben wir sie nun schon verschlafen? Diese Spielregel zum Beispiel könnten die Frauen einmal ändern.

 

Dass aber auch die Frauen Geschmack an der süßen Macht gefunden haben und mittlerweile das Säbelrasseln beherrschen, zeigt unser aktuelle Weltkrise unter den Großmächten. Unsere EU-Kommissionspräsidentin oder aber auch unsere Außenministerin drohen jetzt schon wie die Männer. Ich dachte immer, dass Frauen, weil sie diejenigen sind, die Leben geben, sensibler damit umgehen, es weniger gefährden. Da wäre es mir fast lieber, sie wären beim Kräftemessen nicht wie die Männer. Vermutlich geht es aber nicht anders, womit wir wieder bei der Macht sind.

 

Immobilienwirtschaft, Stadtplanung, volkswirtschaftliche Megathemen, sozialwissenschaftliche Brenngläser, Klimawandel: ein Füllhorn der Handlungsfelder, die uns alle bewegen und bei denen man im großen Stil mitmischen kann. Es braucht eine große Verbindlichkeit, einen Blick für den Ernst der Themen, für die Menschen, die betroffen von all dem sind – vom Wohnen, vom Lebensraum, vom Klima – und dazu Visionen zu entwickeln.

Einen Arzt habe ich wegen meiner Visionen noch nicht aufsuchen müssen.

 

Für mich haben die Fakultät, aber auch der Konzern, in dem ich arbeite, viele Möglichkeiten für mich eröffnet, mir umfangreiche Expertise anzueignen, aus der ich schöpfe und die mein Leben bereichert.

 

Frauen werden in alle Hierarchieebenen vordringen, ihre guten Ausbildungen und Studienabschlüsse legitimieren sie dazu, und wenn das so weiter geht, brauchen wir in 30 Jahren Männerbeauftragte.

Trotzdem, ich arbeite immer schon sehr gerne mit Männern, mag manchmal ihre Oberflächlichkeit bei allem fachlichen Können. Wir Frauen hören ja immer das Gras wachsen. Männer können auf Durchzug stellen, zupacken, Fünf mal gerade sein lassen, über den Tellerrand gucken, groß denken, nicht die Erbsen zählen, sondern auf dünnem Eis auch schnell gehen, manchmal auch eklektizistische Entscheidungen treffen, diesen Mut mag ich.

 

Ein starker und kluger Mann hat noch nie einer Frau geschadet, nur schwache Männer fürchten Frauen und haben Angst vor ihnen. Angst vor einer Frau und ihren Leistungen zu haben, hat noch nie Kooperation, Förderung oder Respekt vor einer Leistung erzeugt.