Weltfrauentag Erika Schulte

Es gibt keinen logischen Grund dafür, dass Mädchen sich nicht mit Naturwissenschaften beschäftigen

 

Ich spüre generell keine Voreingenommenheit. Ich habe aber früh erlebt, die einzige Frau in meinem Berufsumfeld zu sein; erst im Studium der Mathematik und Physik, danach als Programmiererin in der IT-Branche, die damals eine reine Männerwelt war.

 

Dadurch habe ich eine hohe Sichtbarkeit erfahren: Sowohl meine Anwesenheit als auch meine Abwesenheit wurden immer bemerkt. Genauso wie Aussehen und Kleidung: Egal ob zugeknöpft, mit Rollkragen oder mit Ausschnitt, Äußerlichkeiten wurden im Hinblick auf die Karriere interpretiert. Bei Männern war das kein Thema.

 

Meiner Meinung nach gibt es immer noch zu wenige Frauen, die bereit sind, in naturwissenschaftliche Berufe zu gehen bzw. sind schon in der Schule die MINT-Fächer zu wenig von Mädchen belegt. Eigentlich muss man schon im Kindergarten und beim Rollenverständnis, mit dem Mädchen aufwachsen, ansetzen. Denn es gibt keinen logischen Grund dafür, dass Mädchen sich nicht für Naturwissenschaften begeistern. Aber oft ist es doch noch so, dass Mütter ihre eigenen Berufswünsche – zum Beispiel den, Künstlerin zu werden – auf die Töchter übertragen. Ein alltägliches Beispiel ist auch, dass Frauen von sich sagen: „Hach, Mathe ist ja nicht mein Ding“, aber niemand sagt: „Deutsch ist nicht so mein Ding.“

 

Ich habe durchaus auch Erfahrungen mit extrem konservativen Mitarbeitern und Kollegen gemacht, hatte aber auch immer das Glück, Vorgesetzte zu haben, die mich gefördert haben. Und mir fällt auf, dass Teile der jetzigen Generation von Männern über die Frauenquote jammert – durch sie würden ihre Aufstiegschancen geringer, wenn bei gleicher Qualifikation eher eine Frau genommen wird. Eine ganz neue Erfahrung!

 

Mit Blick auf die Karriere von Frauen können Kinder immer noch einen Bruch darstellen, denn „Frau“ steckt aufgrund tief verwurzelter Rollenbilder häufig eher beruflich zurück, viel von der Familienarbeit liegt bei den Frauen.

 

Ich selbst war ein Jahr zu Hause und bin dann wieder in den Beruf eingestiegen, dabei hatte ich allerdings ein gutes Netzwerk als Unterstützung. Es ist wichtig, dass es diese Unterstützung auch gesellschaftlich gibt, gleichzeitig bedarf es dabei natürlich auch des Engagements und des Willens jeder einzelnen.