Weltfrauentag Johanna Hoehl-Mueller

Heute prägen berufstätige Mütter das Frauenbild

 

Rückblickend auf die letzten 40 Jahre Berufsleben glaube ich, dass ich nicht repräsentativ bin. Bei mir lief eigentlich immer alles sehr geschmeidig. Ich musste mir nie einen Job suchen, da die Angebote immer an mich herangetragen wurden. Die einzige Ausnahme war das Unternehmen Ferrero. Da Markenartikel schon immer mein Steckenpferd waren, wollte ich nach meiner Promotion zu dem mir damals am attraktivsten erscheinenden Markenartikelhersteller in der Konsumgüterindustrie. Aber 1981 vertrat die italienische Unternehmensführung noch den Standpunkt: Keine Frauen in Führungspositionen. Man müsste mal nachfragen, wie das heute ist…

Ich glaube, von den zwölf Regional-Direktoren sind immerhin zwei Frauen, das Führungsquartett besteht nur aus Männern.

 

Ich bin dann zu Procter & Gamble und anschließend zu Henkell gegangen, wobei beide Unternehmen von sich aus auf mich zugekommen sind. Ich bin in beiden Unternehmen nie auf Voreingenommenheit oder Skepsis gestoßen, ganz im Gegenteil, ich wurde stark gefördert. Bei Henkell übrigens von einer Frau, die als Senior Marketingchefin fest im Sattel saß. Anders war es dann im elterlichen Betrieb: Da wurde die promovierte Tochter doch erst mal mit Abstand betrachtet.

 

Mein Tipp für alle Frauen: Selbstbewusstsein und Ausdauer. Wenn die Qualifikation stimmt, setzt sich eine Frau auch durch. Zumal die heranwachsende Generation männlicher Kollegen und Vorgesetzter in der Regel Mütter hatten, die berufstätig waren und bei ihren Söhnen ein ganz anderes Frauenbild geprägt haben als in meiner Generation. Das ist eine Entwicklung, die der Chancengleichheit von Frauen im Berufsleben sehr zuträglich ist.

 

Aber man darf nicht vergessen, dass sehr viele Frauen auch heute noch dem Familienleben einen mindestens ebenso hohen Stellenwert einräumen wie der Karriere. Das wissen natürlich auch Männer und ebenso die Frauen in der Führungsebene, die dementsprechend ihre Personalentscheidungen treffen. Frauen haben es immer dann leichter, wenn Fehlzeiten, wie Schwangerschaft oder Elternzeit kein so großes organisatorisches oder inhaltliches Problem darstellen. So erklärt es sich, dass im Marketing deutlich mehr Frauen beschäftigt sind als beispielsweise im Vertrieb.